Die Entscheidung

Nach zehn Jahren im Ford Nugget waren wir eigentlich drauf und dran, die Treue zu unserem Nugget aufzukündigen. Wir liebäugelten mit einem VW T5 . Warum?

Hm, unser Transit Baujahr 2003 hat aus seiner Herkunft als Handwerkerauto nie einen Hehl gemacht. So kam er entsprechend hemdsärmelig daher und verwöhnte weder mit Fahrkomfort noch mit eleganten Detaillösungen. Wir wollten etwas mehr Komfort und weniger Baustellenatmosphäre – sowohl im Cockpit als auch vor allem beim Fahren. Dazu gesellte sich auch noch ein Hauch Wehmut, als wir an unsere Campingbus-Anfänge und all die schönen Touren im unserem VW T4 Multivan Baujahr 1992 zurückdachten.

Außer der Markise und ein paar Kleinigkeiten im Innenraum entsprach der Ford der Serie.



Mit rund 350 Übernachtungen bei allen möglichen Gelegenheiten gehörte unser Nugget fast schon zur Familie.


Die anfängliche Idee war, einen neuen T5 Transporter mit mehr oder weniger viel Eigenengagement zum Campingbus zu veredeln. Diesen Plan haben wir nach reiflicher Überlegung verworfen. Dafür hatten wir vor allem zwei Gründe.

Zum einen ist der benötigte Zeitrahmen für ein solches Projekt auch für einen versierten Schrauber kaum abzuschätzen. Denn im Prinzip fertigt man einen Prototyp an. Ein Einzelstück, ohne die Erfahrung aus der Serie oder vorausgegangenen Umbauten. Was in der Serie oder Kleinserie Stück um Stück optimiert wird, soll beim Eigenausbau auf Anhieb funktionieren und vielleicht auch noch gut aussehen. Die dafür nötige Zeit wollen wir lieber zum Reisen nuten ;-)


 

Zum anderen sprechen aus unserer Sicht auch handfeste wirtschaftliche Gründe gegen den Selbstausbau eines Neufahrzeugs: Damit sich der Aufwand eines gut gemachten Selbstausbaus auch lohnt, dachten wir an den Kauf eines Neufahrzeug als Basis. Mit einem Reimport hätte man die Anschaffungskosten sicher drücken können. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem man sich von seinem Fahrzeug trennen muss oder möchte. Der Tag des Verkaufs ist gekommen. Und aus unserer Sicht sind Selbstausbau-Fahrzeuge nahezu unverkäuflich. Man bekommt dafür praktisch nix mehr. Die Interessenten haben oft nur wenig Buserfahrung und ein begrenztes Budget. Aus dieser Situation heraus greifen die meisten Gebraucht-Campingbus-Käufer auf bekannte Marken zurück. Für einen Pössl, einen VW California und eben auch für den Ford Nugget sind bei Campngbus-Einsteigern nicht nur beliebt, es werden auch recht vernünftige Preise für einen Gebrauchten bezahlt.

 

Wir haben dann für uns folgende Rechnung aufgestellt: Anschaffungskosten plus Kosten für nötige oder gewünschte Umbauten minus geschätzter Wiederverkaufswert. Und da schnitt der Selbstausbau eines Neufahrzeugs aus unserer Sicht sehr schlecht ab. Die Zeit für die Eigenleistungen haben wir in unseren Überlegungen noch nicht mitgerechnet. Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden des Selbstausbaus liegt natürlich in den sehr ungünstigen Konditionen beim Einkauf der Ausbaukomponenten: Wenn ich eine Standheizung kaufe, ein Gfk-Hochdach und eine Kühlbox, dann bezahle ich dafür eben „Apothekenpreise“. Die einschlägigen Ausbaufirmen bekommen im Vergleich dazu sagenhafte Konditionen bei den Herstellern der Komponenten. So würde der Selbstbau-Campingbus nach unseren überschlägigen Rechnungen ein recht teures Vergnügen. Das war es uns einfach nicht wert.

 

Also musste ein neues Komplettfahrzeug her.

 

Der Wunsch nach einem VW T5 hatte aber auch nach dieser Kostenabschätzung noch Bestand. Die nächste Überlegung war, de Anschaffungskosten durch radikale Reduktion auf ein Ausstattungsminimum zu reduzieren. „Wir bekommen den Kostenrahmen in den Griff“ – nach dieser Devise durchforsteten wir die Campingmesse CMT in Stuttgart. Hier füllen die diversen Campingbus-Ausbauer eine eigene Ausstellungshalle.

 

Doch auch mit der „rose-VW-Brille“ auf der Nase erlebten wir hier eine Enttäuschung: Der VW T5 ist innen für uns doch zu eng. Wir sind beide relativ groß gewachsen und so war schnellklar, dass der angebotene Innenraum im Volkswagen für uns nicht ausreicht. Ein Blick auf die technischen Daten der Basisfahrzeuge belegte den Eindruck des Messebesuchs. Mit dem Ford Transit als Nugget-Ausbau hatten wir bisher zehn Jahre lang das Vergnügen mit dem „Raumwunder der Klasse“ auf Tour zu gehen. Auf weniger als fünf Metern Gesamtlänge würde allenfalls der Fiat Ducato mehr Wohnraum bieten.

 

Doch der breitschultrige Italiener fiel schnell aus der engeren Wahl. Er bleibt in seiner kürzesten Variante zwar auch unter fünf Metern, und wäre damit aus unserer Sicht 100%ig alltagstauglich. Doch wir waren auf der Suche nach einem Komplettfahrzeug. Und die angebotenen Campingbusse auf Fiat-Basis präsentierten sich so zugebaut, dass wir uns darin beengt fühlten. Nein, wir wollten wieder das relativ luftige Ambiente einer großen Sitzgruppe mit der dahinter liegenden Winkelküche. Mit diesem Konzept besteht die Möglichkeit auch dann noch im Fahrzeug zu stehen und zum Beispiel die mobile Toilette bequem zu nutzen, während nachts alle Betten gemacht sind. Und für den Alltagseinsatz musste das neue Auto auch unter der Fünf-Meter-Grenze bleiben. Damit war dann klar: Es wird wieder ein Ford Nugget!

 

Die erste Annäherung an den 2014 neu vorgestellten Nugget mit Hochdach bestätige dann die Entscheidung. Zwar ist der Innenraum im Neuen doch um spürbare Zentimeter geschrumpft. Doch aus unserer Sicht bot sich keine Alternative. Nicht mit dem gewünsche Grundriss und nicht zu überschaubaren Kosten. Denn eine komplette Sonderanfertigung bei einem der renommierten Ausbaubetriebe lies der Finanzrahmen nicht zu.

 

Und damit wird der Neue ganz der Alte sein. So ging es in die nächste Phase: Woher bekommen wir unseren neuen Bus?


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Nik Hobohm (Samstag, 09 Juli 2016 09:41)

    Hallo Herr Gerner,
    vorab ein großes Kompliment für Ihre Seite mit der Hoffnung, dass dieses Projekt nicht einschläft!
    Was Sie hier beschreiben deckt sich mit unseren Erfahrungen. Nach zweijähriger Überlegung und Recherche war unser letzter Weg vor der Bestellung eines Campingbusses ebenfalls die CMT 2016 in Stuttgart. Zusätzlich zu den von Ihnen beschriebenen Überlegungen bliebe vielleicht noch zu erwähnen, dass bei Fahrzeugen mit längsliegendem Küchenzeileneinbau der Verstellweg des Fahrersitzes nach hinten in allen von uns getesteten Fällen eingeschränkt war. Bei ca. 80 Prozent des theoretisch möglichen Schienenwegs nach hinten wurde die Rückenlehne des Fahrersitzes durch den Abschluß der Küchenzeile blockiert. Da auch ich nicht gerade zu den kleineren Menschen gehöre und sich die Fahrtzeiten bei Reisen in einem Campingbus in die Länge ziehen können, war dieses Problem für uns ein "Kick-Off"-Kriterium. Das Raumkonzept des Nuggets mit hinten querliegender Küchenzeile hat uns unter anderem auch aus diesem Grund überzeugt und letztendlich zur Bestellung geführt.
    Schöne Grüße aus Bisingen, Ihr Nik Hobohm