Dometic Perfectwall PW 1500 im Test

Die Wahl einer Markise scheint auf den ersten Blick ganz einfach: Am Nugget sind laut Westfalia nur Typen mit einer Länge von 2,6 m erlaubt, es gibt drei Hersteller und ich nehme einfach die günstigste. Doch auf den zweiten Blick erkennen erfahrene Camper bei den einzelnen Modellen durchaus Unterschiede. An unserem ersten Nugget (Bj. 2003) hatten wir eine Fiamma F1. (unsere Erfahrungen auch in Verbindung mit dem Fiamma Privacy Room sind HIER nachzulesen). Bei der neuen Markise sollte etwas Robusteres her, denn die Kunstoffendkappen der Fiamma F1 zeigten sich nach ein paar Jahren deutliche gealtert. Außerdem empfanden wir die Unterbringung der Stützen im vorderen Markisenprofil immer als sehr hakelig und wenig bedienfreundlich.


Von der Qualität der Prostor-Markisen hatte ich schon im Bekanntenkreis viel Positives gehört: Alle belasteten Teile sind hier aus Metall und damit weitgehend alterungsbeständig. Außerdem hält eine leichtgänige Federmechanik die Stützen in der Kassette. Und so suchte ich im Internet nach den Prostor-Modellen. Doch zunächst ohne Erfolg: Denn die Firma Prostor wurde von Dometic aufgekauft, die Sonnendächer heißen jetzt Dometic Perfectwall. Und so kam an unseren neuen Bus nun eine Dometic Perfectwall PW 1500.

Der Farbton "anthrazit" passt prima zu den schwarzen Dekorflächen am Ford Nugget. Als Alternative Kassettenfarbe steht noch "weiß", "silber", "opal" und "champagner" zur Auswahl.


Bevor ich unsere Praxiserfahrungen mit der neuen PW 1500 schildere, möchte ich die Markise kurz vorstellen:

 

Mit einer Gesamtlänge von nachgemessenen 2,61 m passt die Kassette sehr gut zum neuen Nugget-Dach.


Wir haben die Markise mit einem eigenen Adapter höher montiert. Nur so ist eine Kontakt zwischen dem hinteren Gelenkarm und der Oberkante der Schiebetür ausgeschlossen.


Durch die recht kurze Kassette ergibt sich eine Auszugslänge von knapp 2 m. Zum Teil findet man im Netz noch Angaben über die Kombination "2,6 m Kassette mit 2,5 m Ausszug". Das ist nach Rücksprache mit dem Dometic-Kundendienst nicht korrekt: Infolge der kürzeren Gelenkarme ist ein 2,5 m-Auszug nicht möglich.

 

Unabhängig für welchen Marksienhersteller oder -typen man sich entscheidet ist zu beachten: Mit den serienmäßigen Montagepunkten am Westfalia-Dach, hängt die Markise sehr tief. So kann es passieren, dass die Schiebetür am Gelenkarm der Markise streift.

 

Die Lösung ist eine Höherlegung mit Hilfe eines zusätzlichen Adapters. Auf die hier gezeigte, höher platzierte Montage mit Adapter gehe ich später noch genauer ein.


Die Aluminium-Kassette hat eine Gesamthöhe von gemessenen 13,5 cm und eine Tiefe von gemessenen 8,5 cm. Die Außenmaße unterscheiden sich damit nicht wesentlich von der Konkurrenz. Das Gewicht der Dometic PW 1500 wird mit 21 Kilo angegeben. Damit ist der Dometic-Schattenspender etwas schwerer als die Mitbewerber. Das Mehrgewicht ist vermutlich in den Endkappen aus Metall sowie den übrigen, sehr robusten Metallteilen begründet.

 

Die Kurbelaufnahme der PW 1500 ist komplett innenliegend. Damit ist die Perfectwall 1500 vor einer Bedienung durch Unbefugte gut geschützt. (Anmerkung: Bei den Fiamma-Markisen kann man die Verriegelung der Kassette per Hand ganz ohne Markisenkurbel aufdrehen...).

Nur mit dem passenden Kurbelendstück kann man die Kassette öffnen, und das Markisentuch herauskurbeln. Das ist ein Plus an Sicherheit.



HIER geht es zum aktuellen pdf-Katalog auf der Dometic-Homepage.


(Hintergrund: Dometic hat dieses Markisen-Sortiment nicht selbst entwickelt, sondern vom belgischen Hersteller Prostor übernommen. Prostor wurde ursprünglich aus Omnistor heraus weiterentwickelt. Jetzt werden die Prostor-Sonnendächer unter dem Lable Dometic Perfectwall vertrieben. Die robuste Qualität der Prostor-Markisen ist geblieben.)


Die überdachte Fläche des nahtlosen Markisentuchs hat eine Breite von  2,45 m (nachgemessen). Von der Rückseite der Kasette bis zur Vorderkante der Markise ragt das Dach dann maximal 1,97 m nach außen.


Gut zu erkennen: Alle belasteten Teile der Markisenmechanik sind aus soliden, alterungsbeständigen Alu-Profil oder aus Alu-Druckgussteilen hergestellt.


An der Vorderkante ist eine Kederschiene eingarbeitet. Die Schiene ist vorne offen und am hinteren Ende geschlossen, damit der Keder nicht herausrutschen kann. Hier lässt sich der von Dometic angebotene vertikale Sonnenschutz "Sun & Rain Protect" einziehen. Oder man fädelt hier das Kederband des Vorzelts ein, um einen möglichst perfekten Übergang zwischen Vorzelt und Markise/Fahrzeug herzustellen. (Wir haben unser Vorzelt nachträglich mit einem solchen Kederband versehen. Das hat sich schon beim letzten Nugget über Jahre hinweg bewährt.)


Eine Art "Anzeige", dass die Kassette vollständig geschlossen ist, gibt es bei der PW 1500 nicht. Die Kassette schließet aber dennoch zuverlässig und gut kontrollierbar, so dass man in der Praxis eine "Anzeige" nicht vermisst.

Das Gelenk an der Vorderkante der Markise: Auch hier verbirgt sich unter der Schutzabdeckung aus Kunststoff ein Alu-Teil.



Zum Öffnen der Kassette und zum Herausdrehen ist das passende Kurbelendstück notwendig. Die Mechanik hinterlässt auch hier einen sehr soliden Eindruck.


Eines der mittleren Scharniere der beiden Gelenkarmen: Schutzkappen aus Kunststoff verhindern hier, dass das Markisentuch bei Wind an den Alu-Bauteilen reibt. 



Die Dometic PW 1500 im Praxistest

Für zwei ist die Schattenfläche gut bemessen. Für vier Personen ist die Markise leider sehr knapp. Deshalb wäre es schön, wenn Westfalia auch die 3,0 m-Markise für das Nugget-Hochdach freigeben würde.


Wir hatten die Markise auf mehreren kürzeren Touren im Einsatz. Dabei bewohnten zwei beziehungsweise vier Personen den Nugget. Aufgrund der sehr trockenen Witterung diente die PW 1500 bisher nur als Sonnenschutz. Normalerweise nutzen wir die Markise auch bei Regen und stellen sie entsprechend schräg, damit das Wasser vom Tuch ablaufen kann.


Das Schrägstellen (wie im Bild links) ist jedoch nur mit einer Höherlegung der gesamten Markisenkassette möglich. Sonst berührt die Schiebetür den Markisenarm, denn die serienmäßigen Befestigungspunkte wurden durch Westfalia zu tief angeordnet.


Das Öffnen der Kassette und das Herauskurbeln des Tuchs geht leicht von der Hand. Gut gefallen hat die Unterbringung der Stützen im vorderen Kassetten-Profil: Die eingeklappten "Beine" werden hier durch eine leicht bedienbare Feder in ihrer Postition gehalten. Die Höhe der Stützen wird dann anschließend mit einem sehr gut zu bedienenden Klemmhebel eingestellt. Auch das Schließen der Kassette bereitete keine Schwierigkeiten und gelang immerr zuverlässig - so soll es sein.

Mit fast 900 Gramm ist die Markisenkurbel auffallend schwer. Außerdem ist sie ziemlich sperrig. Hier sollte Dometic nachbessern.


Da Westfalia nur kurze Markisen zulässt, wird die bis zum Anschlag geöffnete Schiebetür leider nicht ganz von der Markise überdacht.



Während die Markise den positiven, ersten Eindruck im Verlauf der ersten Touren durchweg bestätigte, enttäuschte die mitgelieferte Kurbel: Mit einer Mindestlänge von 145 cm lässt sie sich nur schlecht im Nugget verstauen. Außerdem hat sie keine Gelenke. Deshalb lässt sie sich nicht als "Stab" verstauen, sondern behält immer ihre Kurbelform. Ganz offensichtlich werden allen Markisen - egal ob mit 5 m Länge oder wie hier nur mit 2,6 m - mit der gleichen Kurbel ausgeliefert. Nur: Der Nugget bietet aber nicht ganz so viel Stauraum wie ein großes Wohnmobil... . Eine kleine, praktische Kurbel wäre für alle Kompaktmobilfahrer eine echte Verbesserung.


In den übrigen Punkten konnte die Markise dagegen voll überzeugen. Jetzt muss die weitere Reisepraxis zeigen, wie dauerhaltbar die Dometic PW 1500 ist. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal dazu berichten.


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Kommentare: 3
  • #1

    Jaggele (Mittwoch, 26 August 2015 17:08)

    Ich habe das mit den Markisen ehrlich gesagt nie ganz verstanden. Wozu eine Markise? Sie ist teuer, anfällig, verbraucht zusätzlich Sprit, sitzt nicht richtig (s. Schiebetüre). Wenn ich Camper damit sehe oder Bilder von Markisen ist der Schatten, den man damit erhält minimal bzw. liegt oft erst am Auto selbst. Da reicht auch ein Sonnenschirm..... Vorzelte kann man wenigstens stehenlassen und Gepäck unterbringen. Wir haben uns deshalb gegen eine Markise entschieden.

  • #2

    Christoph (Freitag, 04 September 2015 14:48)

    Hallo Alexander,
    habe auch seit Mai einen neuen HD-Nugget und mich ärgert die tiefsitzende Markise.
    Hast du einen neuen Adapter entwickelt oder denselben wie bei der Fiamma-Markise deines vorherigen Nuggets übernommen? Welche Maße hat deine Aluplatte ? Möchte mir gern auch so etwas anfertigen
    Christoph

  • #3

    Administrator (Sonntag, 06 September 2015 12:08)

    Hallo Christoph,
    die Höherlegung besteht aus dem Serienhalter der Markise plus einer Zusatzplatte. Der Serienhalter ist bei allen Markisen immer gleich mit dabei. Die Höherllegung wurde eigens für den neuen Nugget HD entwickelt. Vom Alten passte das nicht. Die Zusatzplatte sorgt für die Höherlegung, eine dünnere Gummiplatte schont den Lack. Das ist eigentlich unabhängig von der montierten Markise (Dometic oder Fiamma). Ich werde dazu noch mehr schreiben, aber das braucht noch etwas Zeit.
    Bitte melde Dich doch mal vorab per Mail an info(äätt)unser-campingbus(PPunktt)de.