Duell der Bord-Toiletten: Dometic vs. Thetford

Optisch keine Highlights, unterwegs aber ein "must-have"-Zubehör.


Eine Mobil-Toilette sollte in keinem Campingbus fehlen. Egal ob der Bus „nur“ im Alltag genutzt wird oder ob es auf große Tour geht. Denn nicht nur mit Kindern an Bord kommt man das ein oder andere Mal in die Verlegenheit, dass genau in DIESEM Moment gerade kein anderes stilles Örtchen zur Verfügung steht. Und so nutzen wir seit über 20 Jahren verschiedene Mobillösungen in unseren Bussen (T4, Nugget altes ud neu). Hier stelle ich nun die für den aktuellen Nugget passenden Lösungen von Thetford und Dometic vor.


Beide Toiletten wurden von uns im Familieneinsatz während mehrere Touren getestet. Ich erhebe dennoch ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da ich gerade im Bereich „Toiletten-Chemie“ nur wenig ausprobiert habe - dazu später mehr.

 

Als wir unseren aktuellen Nuggi kauften, bestellt ich auch gleich das dazu passende „Töpfchen“, eine Dometic 976, dazu.

 

 

Die Dometic bietet mehr Sitzhöhe, und passt dennoch in das knappe WC-Fach.



Von hinten ist der Größenunterschied beider Abwassertanks gut zu erkennen.


Auch die Sitzfläche der Dometic ist etwas größer.


Wenn das WC draußen steht, bleibt zum Türschließen nur wenig Platz.


Doch Dometic hat hier die Hausaufgaben leider nicht ordentlich erledigt: Das Ventil ist hier ein einfaches Kunststoffteil zum Drehen. Ein Griff und die Belüftung ist offen. Doch in der Hektik an der Entsorgungsstelle ist es uns mehrmals passiert, dass wir den Verschluss nach dem Entleeren und Säubern der Kassette nicht mehr zurückgedreht haben. Das „Ergebnis“: Sobald der Abwassertank wieder etwas gefüllt ist, gelangt der Inhalt unkontrolliert ins „Freie“ – sprich dem Staufach der Toilette. Es sind zwar meist nur wenige Tropfen, aber auch die möchte man nicht unkontrolliert im Fahrzeug herumfließen lassen.

 

Thetford löst die Belüftung wesentlich praxisnäher: Unmittelbar neben dem Haltegriff befindet sich eine federbelastete Drucktaste. Einfach beim Entleeren mit dem Daumen drücken, und die Luft kann zum sauberen Entleeren nachströmen. Sobald man die Taste loslässt, ist das Ventil sofort wieder dicht. Eine Fehlbedienung ist ausgeschlossen.

 

Unterschiedliche Wege gehen beide Hersteller auch bei der Lösung, wie das Spülwasser aus dem Tank gefördert wird. Thetford pumpt hier das Spülwasser direkt: Mit jedem Pumpenhub läuft etwas Wasser in die Schüssel. Nicht sonderlich originell aber effizient und zuverlässig.

 

Beim Dometic-WC wird Luft in den Frischwasserrtank gepumpt. Die Idee: So kann man zum Beispiel Nachts geräuschlos spülen, da man ja einen Druckluftvorrat zum Wassertransport hat. In der Praxis funktionierte das bei uns aber nicht zuverlässig, denn die Druckluft verflüchtigte sich nach einger Zeit. Irgendwo musste unsere Toilette eine winzige Undichtigkeit haben. Dadurch musste nach jedem Toilettengang erneut Luft gepumpt werden. Die dabei entstehenden Geräusche störten vorallem nachts.

 

Doch nach zwei Jahren im Einsatz trennten wir uns wieder von diesem Teil, weil uns doch einige Punkte nervte. Heute fahren wir ein Thetford Porta Potti Cube 335 spazieren. Es entspricht unseren Anforderungen deutlich besser. Mit diesem Vergleichstest möchte ich auch andere Nugget-Besitzer an unseren Erfahrungen teilhaben lassen. Damit jeder die für ihn passende Lösung findet, und einen möglichen Fehlkauf vermeidet.

 

Zwei Gründe bewogen uns zunächst zum Kauf der Dometic 976: Zum einen bietet sie mit 38 Zentimetern eine deutlich komfortablere Sitzhöhe als die Thetfod mit einer Sitzhöhe von nur 30,5 cm. Zum Vergleich: ein wandhängendes WC im Haushalt wird üblicherweise in einer Höhe zwischen 40 und 43 cm montiert. Da ist die 976 schon recht nah dran. Die Cube 335 ist im Vergleich schon sehr tief, was vor allem große Personen als unangenehm empfinden.

 

Der zweite Grund für unseren Kauf war der größere Abwassertank. Die Dometic fasst hier 18,9 Liter und die Thetford nur 10 Liter. Doch in der Praxis zeigte sich, dass der größere Tankinhalt in Verbindung mit dem höheren Eigengewicht der 976 ein echtes Handicap im engen Küchenbereich des Nuggets ist. Die einsatzbereite Dometic wiegt mit vollem Frischwassertank (8,7 Liter) schon 13,7 Kilo. Die kleinere Konkurrenz bringt mit 10 Litern Spülwasser 13,2 Kilogramm auf die Waage. In Kombination mit dem insgesamt größeren Gehäuse empfanden wir die Dometic-Toilette mit gefülltem Abwassertank als zu unhandlich.

 

Der zweite Punkt, der uns zum Wechsel veranlasste, war die Handhabung beim Entleeren: Damit der Inhalt des Abwassertanks ohne Gluckern und Herumspritzen sauber aus dem Tank abfließen kann, besitzen beide Modelle ein Belüftungsventil.

 

Auch beim Toilettengang geht es im Nugget recht eng zu.


Beim Belüftungsventil von Domeitc kann man das Schließen vergesssen.


Bei Thetford schließ das Belüftungs-ventil nach dem Leeren von selbst.



Auch in weiteren Details wirkt das Thetford-Modell ausgereifter: So konnten die Kinder die Verriegelung des Dometic-Deckels nicht alleine öffnen. Eine versteckte Kindersicherung? Naja, beim näheren Betrachten stellt sich heraus, dass der Kunststoffdeckel von Dometic einfach in sich steifer ist und dadurch deutlich mehr Handkraft zum Öffnen benötigt. Und die erforderliche Handkraft ist halt nicht jedem Nutzer gegeben...

Ober- und Unterteil werden bei Dometic mit einer Kunststofflasche verriegelt.

Die Verbindung zwischen Schüssel und Abwassertank wird bei beiden Modellen mit einem gut bedienbaren Schieber hergestellt. Da gab es in der Praxis keine echten Unterschiede. Beide schlossen zuverlässig dicht und ließen sich problemlos bedienen - auch von Kindern.

 

Differenzen gab es dann wieder bei der Verriegelung zwischen dem Ober- und Unterteil der Mobiltoiletten. Zum Entleeren müssen die beiden Hälften ja immer getrennt und nach dem Säubern wieder zusammengefügt werden.


Der Verschluss an der Dometic ist eine einfache Kunststofflasche. Zum sauberen Einrasten war hier im Vergleich zur Thetford etwas mehr Übung erforderlich.

 

Am Porta Potti gibt es zum Trennen der Hälften einen verderbelasteten, leichtgängigen Schieber. Der gefiel uns besser, da er beim Zusammensetzen der Hälften leichter zu bedienen war. Vor allem für weniger geübte Camper ist damit das Zusammensetzen einfacher.

 

Von der Materialqualität wirkten beide WC gleichwertig. Die leicht zu reinigenden Kunstoffe genügen für die üblichen Belastungen völlig aus.

Die Thetford-Verriegelung ist angenehm leichtgängig und zuverlässig.




Fazit:

Von einer Mobil-Toilette erwartet man, dass sie unaufällig ihren Dienst erledigt, möglichst wenig kostet und sich einfach handhaben lässt, wenn man sie braucht. Diese Anforderungen erfüllt die kleinere Thetford spürbar besser, so dass wir die Neuanschaffung nicht bereut haben. Dass es aber wirklich merkliche Unterschiede bei einem so wenig beachteten Zubehör gibt, hätten wir am Anfang auch nicht gedacht.

 

Aus den Erfahrungen ist die Thetford Porta Potti Cube 335 eine klare Empfehlung - auch wenn sie durch die geringere Höhe nicht ganz so bequem ist und früher geleert werden muss.


Noch ein paar Anmerkungen zum Schluss:

Allen Kassetten-Toiletten gemeinsam ist der Sammelbehälter für Urin und die Fäkalien. Egal ob es sich hier nun um eine kleine Mobileinheit oder eine fest eingebaute Camping-Toilette handelt. Und damit will ich hier ein doch ziemlich unangenehmes Thema ansprechen: die Entsorgung.

 

Solange sich in der Kassette nur Urin und Spülwasser befindet, ist die Entleerung relativ "unspäktakulär". Doch die Kombination aus Urin und den anfallenden "Feststoffen" ist eine ekelhafte Mischung. Darüber sollte sich jeder im Klaren sein, wenn der den Pott an Bord benutzt.

 

Auch das Zusetzen von diversen Chemie-Keulen brachte da aus unserer Sicht nur wenig Abhilfe. Außerdem riecht es beim Zusatz der Chemie-Keulen im ganzen Bus danach - egal ob das nun Aqua Kem Gree oder Dr. Keddo Bigsan mit Zitrusduft war. Das störte uns.

 

Da wir aber mit unserem Nugget gerne frei stehen - egal ob bei einem Städte-Trip oder beim Wandern - suchte ich nach einer Lösung, die dauerhaft ohne Geruchsproblem und ohne Schwierigkeiten bei der Entsorgung funktioniert. Und so landete ich fast zwangsläufig beim Thema "Trocken-Trenn-Toilette": Hier wird bei der Benutzung "das Flüssige" vom "Festen" konsequent getrennt. Das Erstaunliche: Es entsteht überhaupt kein Gestank (außer bei der unmittelbaren Benutzung. Aber das ist ja zuhause auch der Fall). Das erste mal lernten wir eine Trocken-Trenn-Toilette auf einer Selbstversorgerhütten in den Alpen kennen. Obwohl da täglich zwei, drei Dutzend Personen die Toilette benutzten, gab es keine Geruchsprobleme. Und das ganz ohne Spülwasser oder Chemie.

 

Im Moment (Stand Februar 2019) will ich zum Thema Trocken-Trenn-Toilette im Nugget noch nicht all zuviel verraten. Ich bin aber am Thema dran. Mal sehen, wie die Endergebnisse sdann aussehen.

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